InfoReisebericht, 12.05.2012

Auf in die Bananenhauptstadt

Sonderzug vom Anbieter fainrail.deDortmund im Pokalfinale 2012 gegen die Bayern aus München stand an. Für die kleine Gruppe der nur hin- und zurück Fraktion gab es nun mehrere Möglichkeiten den Trip in die Hauptstadt anzugehen. Möglichkeit 1, der Sonderzug der BVB Fanabteilung (FA), fiel relativ schnell flach, da man dort keinen Platz ergattern konnte. Möglichkeit 2, eine normale Zugtour sollte auch sofort ein Griff ins Klo sein, da Wülli am nächsten Morgen irgendeinen wichtigen Kirchentermin wahrnehmen musste, aber aus Berlin kein ICE mehr fahren sollte der pünktlich wieder das Ruhrgebiet erreichen würde und eine Anreise mit dem Auto stand nicht zur Debatte.

Area forty three

Da kam uns dann glücklicherweise das zusätzliche Angebot eines weiteren Sonderzuges der Fanabteilung (FA) in Kooperation mit dem Anbieter fainrail.de auf das Radar und war auch prompt gebucht. Der Wagen 43 wurde als unser Transportmittel in die Bananenhauptstadt für tauglich eingestuft und die kleine 2er Reisegruppe Wülli, mit Zustieg in Hamm und meine Wenigkeit waren startbereit. Kurz bevor es los ging, gesellte sich noch mit Stefan ein drittes Oktober Mitglied dazu, das noch kurzfristig eine Eintrittskarte ergattern konnte. Platz im Zug war auch noch vorhanden, sogar direkt im Abteil neben uns und so waren wir dann immerhin zu dritt und voller Vorfreude auf einen gemeinsamen Abend mit dem Rest des Oktobers im Berliner Olympiastadion.

Abfahrt zum Pokalfinale vom Dortmunder HauptbahnhofWarmlaufen

Am Spieltag selbst sollte es also zu morgendlicher Stunde am Dortmunder Hauptbahnhof los gehen. Da die anderen Sonderzüge schon unterwegs waren tummelten sich hier zum Großteil nur noch Mitfahrer die auch unseren Anreiseweg nach Berlin gewählt hatten. Bei netten Gesprächen am Gleis und den ersten Kaltschalen vertrieb man sich die Zeit bis der Bob einrollen sollte. Gegen 10 Uhr trudelte das Reisegefährt dann auch ohne Verspätung ein und überzeugte sofort. Eine recht alte Karre, vermutlich aus den Mitte 60er oder frühen 70er Jahren, ein echtes Schmuckstück also. Von erwarteten Einstiegskontrollen - Flaschen waren z.B. nicht erlaubt - oder Fahrkartenkontrollen war zu diesem Zeitpunkt weit- und breit nichts zu sehen und es sollte sich auch auf der ganzen Fahrt nicht ändern.

Optik-Orgasmus

Beim öffnen der Abteiltür kam dann sofort Fußballfeeling auf. Es müffelte nach Bier und abgestandenen Zigarettenrauch. Perfekt für Reisende ohne große Ansprüche, denn das Mopped sollte uns ja nur in die Hauptstadt und zurück befördern. Der Rahmen stimmte also. Dann der Optik-Orgasmus, denn das Abteil war mit alten, rosa Plüschsesseln ausgestattet, die jeden Komfort-Fernsehsessel eines großen schwedischen Möbeldealers in den Schatten stellte. Völlige Pornoausstattung. Nach kurzer Rücksprache in unserem Abteil wechselten wir dann kurzerhand ins Nachbarabteil und so konnten wir und auch unsere Wechselgruppe geschlossen die Reise antreten.

Das Zugpersonal machte schon auf den ersten Metern einen richtig guten Eindruck. Unaufgeregt, freundlich und abgeklärt. Sehr entspannt also, zumal auch die Herren in Grün nicht an Bord waren. Die neue Abteilbesatzung entpuppte sich auch als einen guten Treffer. An dieser Stelle herzliche Grüße an die Jungs und das Mädel aus Trier. Bei mehr als interessanten Gesprächen, Fachsimpelei und gemeinsamen Fangetränken verging die Fahrtzeit dementsprechend wie im Flug. Hervorheben sollte man an dieser Stelle noch, dass die Sanitäranlagen sowohl auf der Hinfahrt als auch auf der Rückfahrt in einem, für Fußball-Sonderzüge, hervorragendem Zustand waren. Die Disziplin der Mitreisenden kann man an dieser Stelle ruhig mal loben.

Die Gedächtniskirche, Treffpunkt der BVB-FansDie kaputte Kirche

Das Ziel Hauptstadt rückte also schnell näher. Sehr schön zu sehen war dann bei der langsamen Einfahrt in Richtung Zielbahnhof Zoo der Blick in die Seitengassen an der Trasse. Zujubelnde Berliner die unseren Zug als BVB Zug erkannt hatten versüßten die Ankunft und zeigten deutlich für wen hier heute die Daumen gedrückt wurden. So muss das sein. Pünktlich um 15:34 Uhr erreichten wird dann auch den Bahnhof Zoo in Berlin und der Weg zum Treffpunkt Gedächtniskirche konnte eingeschlagen werden um dort den Rest der Bande zu treffen, der vorher schon anderweitig angereist war. Bis hier hin also schon einmal ein perfekter Start in den Finaltag.

Nach kurzer funkrealisierter Rücksprache ging es also eben zu jenem Treffpunkt, der Gedächtniskirche. Das klang auch relativ simpel. „Wir stehen unter den roten Sonnenschirmen.“ war die knackige und durchaus präzise Ansage. Das ist soweit auch in Ordnung, wenn man nur nicht das schwere Los hat ohne GPS unter 10.000 Dortmundern und gefühlt 100 aufgestellten roten Sonnenschirmen den Zielpunkt ausmachen und ansteuern möchte. Klappte zur Überraschung im Endeffekt dann doch ganz gut und zügig konnte man allen anwesenden Mitglieder des Oktobers gemeinsam bei einem Kollektiv-Bier zuprosten. Erste Einsatzunfähigkeitsmerkmale waren hier allerdings bei dem ein- oder anderen Frühanreiser oder den Jungs aus dem Hostel, die einen Tag zuvor angereist waren, auszumachen. Was der Stimmung aber keinen Abbruch tat, sondern sie eher noch befeuerte. Altbekannte, unorganisierte Gesichter aus Unna waren natürlich auch anzutreffen und so verging auch der Nachmittag bei netten Gesprächen erneut wie im Flug und es ging recht zeitig in Richtung Olympiastadion.

Das Olympiastadion in BerlinOlympiastadion Olé

Am Stadion angekommen sollten sich dann erst mal die Wege trennen. Ein Großteil ging sofort rein, ich bevorzugte erst noch einen kurzen Besuch im Restaurant Preußisches Landwirtshaus. In der Stadt waren die Bayern zwar nicht auszumachen, aber hier hin hatten sich dann doch einige verkrochen. Warum auch immer, denn die Lokalität liegt ja eher hinter der zugewiesenen Dortmunder Kurve. Hier war es ziemlich München lastig weshalb ich mich entschloss mir das Treiben von etwas abseits mit einigen bekannten Borussen anzuschauen, denn es rappelte da grade etwas, worauf wir nicht so die riesen Lust verspürten. Recht komische, böse schauende Polizeiroboter hatten das dann allerdings nach einigem Umherirren schnell im Griff und nach weiteren Kaltschalen sollte es dann auch zügig ins Stadion gehen. Erfreulich hier, dass das eingesetzte Ordnerpersonal durchweg freundlich und hilfsbereit daher kam. Hat man ja auch nicht alle Tage, aber kommen wir mal direkt zum Spiel.

Das Spiel

Oder auch nicht, denn zum Spiel und dem Ergebnis muss an dieser Stelle ja nicht viel gesagt werden, denn das ist in die Geschichte des Ballspielvereins Borussia aus Dortmund eingegangen und dürfte jedem Anhänger des frisch gekürten Double-Gewinners für immer im Gedächtnis bleiben.

Nachspielzeit

Nach dem Abpfiff und einer gemeinsamen kleinen Feier am Stadion sollten sich dann erneut die Wege der zahlreich anwesenden Oktober Mitglieder in die Übernachtungsfraktion, die Sonderzugfahrer, die normalen Zugfahrer und den Automobilfahrer trennen. Was die Stimmung allerdings nicht ansatzweise  negativ zu beeinflussen vermochte. Das Spiel auf dem grünen Rasen war also souverän gemeistert, aber nun stand jetzt mich eine neue Herausforderung vor unserer kleinen Reisegruppe: Der S-Bahnhof am Olympiastadion. Um es mal freundlich auszudrücken. Das ist eine wirkliche Kack-Haltestelle, aber nun gut, wir waren dann doch noch zeitig an unserem Abfahrtsbahnhof. Zurück in Bierhauptstadt sollte es von dort dann gegen 1 Uhr in der Frühe gehen. Gesagt, getan, nur hab ich erst mal eiskalt den falschen Sonderzug erwischt. Kann ja mal passieren zu später Stunde und nach dem Konsum diverser Elektrolytgetränke. Die Sachlage wurde dann im falschen Zug recht schnell geklärt und so wurde der richtige Zug, der direkt auf dem Nebengleis parkte, geentert um die Rückfahrt in die Stadt des neuen Pokalsiegers anzutreten. Nach und nach trafen sich auch alle Reisemitglieder des Oktobers, die sich vorher aus den Augen verloren hatten, im Zug wieder um die Nacht zum Tag zu machen.

Die Doublesieger vom Goldenen OktoberNachtspielzeit

Unser Plüschabteil war immer noch unser Plüschabteil und wurde auch sorgfältig beim Zwischenhalt in Berlin vom Bordpersonal gereinigt. Hier auch nochmal Daumen hoch, es war echt sauber. Allerdings in Teilen zu „sauber“, denn die für die Rückfahrt frei deponierten Bierreserven einiger Mitfahrer waren nicht mehr da und das Pfand an anderer Stelle wohl gewinnbringend eingelöst. Aber nicht mit dem Oktober, der diesen Worst-Case schon vor der Hinfahrt auf dem Schirm hatte, denn wir hatten in weiser Voraussicht ein Kaltgetränk-Sicherungsdepot in den hintersten Ecken unter den Sitzen angelegt, alles was auf den Gepäckablagen lag war futsch. Der Plan ging also auf und so waren wir für die Rückfahrt mit Pokalsiegersaft überdurchschnittlich versorgt und konnten auch noch die Truppe aus Trier bei uns im Abteil mitversorgen.

Nach einigen Gesprächen über das Erlebte und der Realisierung was wir da heute miterleben durften, trennten sich dann erst mal die Wege. Da Wülli ja schon das Opfer bringen musste am Morgen nüchtern sein zu müssen, hielten wir uns auch brav an die vorher abgemachte Vereinbarung das Abteil nicht die ganze Nacht über durchzurocken um ihm so ein paar Stunden Schlaf zu gönnen. Auf ging es also in den Sambawagen um den Triumph gebührend mit bekannten und unbekannten Mitreisenden und diversem Gerstensaft zu feiern. Was im Rückblick auch durchaus als gelungen bezeichnet werden kann. Irgendwann ging es dann aber doch zurück in das Plüschabteil, da die Kräfte mit der Zeit doch etwas nachließen um dort wenigstens noch ein bisschen die Füße hoch zu legen und in kleiner, geselliger Runde noch etwas fachzusimpeln und die restlichen Siegerbiere ihrem Verwendungszweck zuzuführen. Ab Bielefeld, hieß es dann nur noch chillen, oder anders gesagt, mal für ne Stunde ne Runde ratzen um die letzten Kilometer runterzureissen. Gerüchte die rumgeisterten ich wäre schon in Hannover eingepennt dementiere ich hiermit ausdrücklich.

Fazit

Abschließend kann man sagen, dass es eine gelungene Tour war und wir vor allem den Pokal im Gepäck hatten. Herz was willst du mehr.

Geschrieben vom Doublesieger Simon