InfoReisebericht, 05.10.2002

Expo Stadt Hannover – Ein Wetterbericht

Die Nacht im BallermannFür Samstage (und auch sonst) unchristliche Zeit von 7:45 Uhr riss mich der Wecker aus dem Schlaf. Das Hämmern hinter der Schädeldecke erinnerte mich an die Nacht im Ballermann, viel zu spät trug das Taxi uns ins heimische Unna. Ich verfluchte den Tag und die Entscheidung nach Hannover fahren zu müssen.

Die Nacht im Ballermann

Das erstaunlich frische Erscheinungsbild meines Bruders steigerte nicht gerade meine Laune, auch nicht der Anruf von McStay, der sich schon fit und munter auf dem Weg nach Dortmund befand. Dann stolzierte Patvo durch die Tür, und es tauchte ein erstes Lächeln in meinem Gesicht auf: wenigstens er war deutlich schlechter dran als ich!

Runter mit ein wenig isotonischen Getränken, rein in zahlreiche Lagen Klamotten. Dann Jeansjacke und Kutte: beide sollten sich aufgrund der erstaunlichen Saugfähigkeit als großer Fehler erweisen (nass 30 kg). Nehmen wir das Transparent mit? Na klar (nass weitere 10 kg, dafür als Regenschutz immerhin brauchbar für etwa 30 Minuten). Aber auch die Regenjacken zahlreicher Mitreisender sollten heute nicht wirklich hilfreich sein.

Im Zug in Kamen trafen wir Onkel Bodo, Swen, seine Freundin Angelika und McStay sowie die zahlreichen schwatzgelben Mitreisenden, die sich bereits in der ersten Klasse breit gemacht hatten und reichlich schlechte Luft verbreiteten. Der Qualm sowie Stehplatz bis Bi-City ließen Patvos Gesichtsfarbe beängstigend verfärben, an Fangetränke konnte ER noch lange nicht denken. Erster Umsteigepunkt war Bielefeld, wie schon in meinen drei Studienjahren präsentierte sich die sympathische, ostwestfälische Stadt mit Dauerregen. Interessant war die Begegnung der Fangruppierungen von uns Dortmundern, Bielefeldern auf dem Weg nach MG und Vizekusenern (sie sollten unsere weitere Fahrt begleiten). Das Sangesduell ging an die Pillenfresser, sie hatten ja schließlich auch schon deutlich mehr Zeit in der DB, um in Stimmung zu kommen.

Das Niedersachsenstadion in HannoverDie Bongofalle

Bei der Weiterreise waren die Toiletten bedenklich überfüllt, kein Wunder bei nur einem vorhandenen Bongo. So teilte ich mir aufgrund meiner gefürchteten „Schlüterblase“ die großen Bierreserven entsprechend ein. Auf ein vorzeitiges Aussteigen in Bad Oeynhausen („in Minden knallt es mit den Vizekusenern“) verzichteten wir, es blieb Gott sei Dank beim von uns weit entfernten Austausch von Nettigkeiten einiger Krawallbrüder im Zug.

In Minden erneute Pinkelpause, umsteigen, wieder Probleme mit den Toiletten im Zug. Endlich in Hannover verteilten sich Harry, McStay und ich am Bahnsteig und befreiten uns von der Last der drückenden Blase. Schritt und Angelika suchten hierzu den Burger King Bongo auf. Eine weise Entscheidung, wie sich kurz darauf herausstellen sollte.

Tomek, Gerd, Bernhard und Bruder Christoph (ich warte heute noch auf das Geburtstagbier) hatten Ihre Nacht in Hannover den Umständen entsprechend gut überstanden und bereits ein (Gersten-)Frühstück eingenommen. Wir trafen uns mit Ihnen vor dem Ex-Expo-Bahnhof.

Wahlkampf und Farbenlehre

Dort kam ein freundlich lächelnder „Grüner“ auf mich zu. Was konnte er wollen? Ein Bier? Seine Regenjacke verschenken? Sich für die zahlreichen SPD-Stimmen in NRW bedanken? Weit gefehlt. Freundlich forderte er ein Ordnungsgeld wegen Verunreinigung: ich sei auf Video bei der Notdurft festgehalten worden und nur ich würde mit einer solch roten Mütze herumrennen. Wo waren all die anderen Lodz-Mützen? Oh Schreck, habe ich in Hannover gepinkelt? Ich stritt alles erfolglos ab (hatte tatsächlich eine kurzfristige Amnesie) und wollte das Video sehen. Er hatte keine Zeit (musste bestimmt noch bei blauen, grünen, orangenen u.a. Mützenträgern die leeren Kassen der Stadt Hannover füllen) und notierte sich meine Personalien zwecks Zustellung des Zahlscheins (mein Hauptwohnsitz ist noch bei den Eltern, sie werden sich freuen und an ein „normales“ Strafmandat denken :-) ). Selbst unser Anwalt Tomek war machtlos (er hatte bestimmt schon am Abend zuvor kräftig Zahlscheine zusammen mit Bernhard gesammelt). Ich bedankte mich noch herzlich für die freundliche Begrüßung in Hannover. (Falls das Video in falsche Hände gerät, rufe ich bei Dir durch, Tomek). Wir entfernten uns also vom Hauptbahnhof und ich verfluchte Schröder, seine Landeshauptstadt und unseren Polizeistaat.

Drecks nasse Sitzplätze!Nun ja, jetzt stieg der Durst und wir entschieden uns für eine geniale Kneipe mit prima Kaminecke, bequemer Ledercouch, diversen interessanten Biersorten, netter Bedienung (ein wenig mehr Trinkgeld wäre gerecht gewesen) und leidensfähigem sonstigen Publikum. Die Stimmung stieg, die Provokationen vom Nachbartisch steigerten die Sangeslust mit Anti-Zecken-Liedern.

Die Erinnerungen an den Weg zum Stadion sind mir aufgrund des tristen Wetters entfallen (Bahn fahren, laufen?). Im Stadion machten wir uns auf in den Block neben dem Unity-Stimmungsblock, in dem sich Daniel mit Dauerzappeln am Zaun warm hielt. Die Stimmung war auch bei uns für die schlechten Bedingungen (neunzig Minuten Dauerregen, Drecksstadion) gut. Wir trafen Simon vom Kommando Kleistraße, er hatte doch noch den Weg nach Hannover gefunden. Des weiteren begegneten wir den Fulda-Borussen und weiteren Unnaern. Nur Malte traute sich mit seiner Freundin wohl nicht in unsere Nähe. Eigentlich unbegründet, wir sahen nur aufgrund des Regens scheiße aus :-).

Auffem Platz beim Wasserball

Das 0:1 beförderte mich einige Sitzreihen nach unten und ich durfte vom Boden wieder hoch krabbeln. Ein solcher Sturz nach einem Elfmetertor ist mir nicht mehr in Erinnerung. Drecks nasse Sitzplätze! Wenigstens hat Patvos Digitalkamera die Führung, die harmloseren weiteren Tore ebenso wie die Wasserfluten überstanden.

Eine Diskussion über das Schiedsrichtergespann will ich hier nicht führen. Ich fand es auf alle Fälle klasse, sonst hätte es sicher nur zu einem knappen Zittersieg gereicht. Als wir eine Minute vor Spielende das Stadion verlassen wollten, provozierten wir einen kleinen Wutausbruch von Onkel Bodo („Ich lasse mir hier nicht den ganzen Nachmittag den Arsch nass regnen, um dann vor Spielschluss die Kurve zu kratzen“). Ich denke Bodo wollte den Aufenthalt in seiner Geburtsstadt bis zur letzten Minute auskosten, was wir dann auch noch taten.

Völlig durchnässt im SonderzugWir entschieden uns dazu für den Rückweg den Sonderzug zu nehmen. Dafür wartete ein ziemlicher langer Fußweg auf uns. Ein letzter Platzregen kam herunter, dann hörte es auf zu regnen :-(. Klätschnass und ohne die Möglichkeit Fangetränke zu erwerben, erreichten wir den Zug. Die Heizung war natürlich in unserem Abteil defekt, dafür hatten wir alle Sitzplätze.

Direkt neben unserem Abteil missbrauchten zahlreiche ungehobelte Borussen eine Ecke zum Wasserlassen, beobachtet aber ungestraft von den „Grünen“. Sie hatten ja auch keine rote Mütze auf.

Die Kamera wurde den gesamten Rückweg für eine Vielzahl von spaßigen Fotos missbraucht, nur ein kleiner Teil davon war später brauchbar. Die Stammeskämpfe wurden klar von den Brüdern Schlüter gewonnen (sorry, Schritt, für die blauen Brustwarzen). Ohne Zwischenstopp und superschnell erreichten wir Hamm, dort trennten sich die Wege.

Spätestens nach dem Besuch des Mühlhausener Sportplatzes am Sonntag, bei der meine Truppe (http://www.sv-froemern.de) eine peinliche Vorstellung ablieferte, fing ich mir eine deftige Erkältung ein, unter der ich immer noch leide. Es war ein geniales Auswärtsspiel und Wochenende, also scheißegal!

Fazit

Allen Beteiligten herzlichen Dank für die gelungene Fahrt. Auf nach Wolfsburg und Cottbus. Das McStay / Schritt – Gedächtnisturnier wird stattfinden, sobald mein Knöchel wieder mitspielt, schließlich haben wir schon genügend Torwartkandidaten.

Geschrieben von Henning