InfoReisebericht, 02.10.2002

Eindhoven – Das Tulpenland und die Deiche

Bustour in NachbarlandMahlzeit und ein fröhliches Null Neun an alle. Kurzes Lebenszeichen und Reisebericht aus Tulpenland (eigentlich „Öffnet die Deiche und flutet“ Teil 2). Trotz aller Bedenken und einer völlig bescheidenen Auswärtsquote in den letzten Jahren war es eine Selbstverständlichkeit, dass wir unseren Verein auch bei dem zweiten Holland-Überfall in diesem Jahr begleiten wollte. Da diesmal keine Sonderzüge geplant waren viel unsere Wahl auf den Bus von Schwatzgelb.de. Wir das waren der harte Oktober-Kern Harald, Patvo und Widzew-Michael und meine Wenigkeit als Ehrenmitglied und Vertretung der Gänsemarkt-Fraktion.

Vorspiel

Also hieß es am 02.10.2002 einen kurzen Arbeitstag bis um 12.00 Uhr überstehen, dann umziehen und los zum Treffpunkt nach Dortmund. Das klappte natürlich mal wieder nicht ganz so gut, da es in der Firma länger dauerte. Trotzdem gelang es den IC um 13.09 zu erreichen (Klasse dass die DB immer 10 Minuten Verspätung hat) und dann den Großraumwagen bestiegen. Aber was war das: ein Haufen Piccos aus Österreich mussten mit ihrem blöden Dialekt den gesamten Wagen unterhalten, da sie auf Klassenfahrt waren und sich wohl irgendeiner anderen Gruppe vorstellen sollten. Tolle Idee von dem Oberösi, dass die Gruppe ihr Land anhand von typischen Spezialitäten / Attraktionen der einzelnen Bundesländer vorstellen sollte. (Was ist typisch für Kärnten, Burgenland usw.) Gut dass die Ösis dies selbst nicht wussten und daher die ganze Fahrt bis Do darüber diskutierten.

Das Philips-Stadion des PSV EindhovenIn Do angekommen und von den Ösis erlöst, traf ich Harry und wir machten uns auf dem Weg zum Treffpunkt, wo wir auch die anderen beiden trafen. Der Bus war ebenfalls da, wir sicherten uns sofort gute Plätze im oberen Abteil und die ersten Fangetränke wurde geöffnet und verzehrt. Es fand sich eine bunt gemischte Reisegruppe ein, die allerdings ein Problem hatte: nur einer konnte einen vernünftigen Joint bauen, so dass er immer wieder nach oben oder nach unten gerufen wurde, um seine Fingerfertigkeit zu beweisen. Das Rauchen klappte dann aber bei der gesamten anwesenden Ultrafraktion schon ganz gut allein, wobei natürlich nicht inhaliert wurde.

Nach dem Zwischenstopp in Essen, der Rest wollte ja auch noch zusteigen, erreichten wir dann die Grenze, an der bereits der BGS auf uns wartete, um aufzupassen, dass nicht Kategorie C Fans mit an Bord waren. Aber die Kontrolle verlief trotz des schweren Dunstes in unserem Bus ereignis- und folgenlos. Ne, was sind wir alle friedlich. Übrigens hatten wir auch Prominenz an Bord: der „Schreck-Karsten“ ließ sich mal wieder sehen, ich wusste gar nicht dass er noch lebt. Die Pause an der Grenze nutzen wir dann auch um ausgiebig den uns angebotenen Absinth zu probieren. So eine Beschleunigung / Belebung des Kreislaufs tut ja auch immer gut und ist sicherlich auch ärztlich angeraten.

Eindhoven

Egal, um ca. 19.00 Uhr traf unser Bus endlich in Eindhoven ein und die dortige Polizei leitete uns zum „Fan-Treff“ in Stadionnähe. War klasse, gute Versorgung ein paar nette Kneipen. Nur konnte man als einzige Einheimische lediglich die Polizei und die Wirte begrüßen. War trotzdem nicht verkehrt, so gab es eigentlich auch zu keinem Zeitpunkt Verständigungsschwierigkeiten. Patvo und ich mussten dann auch noch unbedingt einen auf Gruppensprenger machen, da wir in einer der Kneipen noch ein Guinness nebst Johnny W. trinken wollten und uns natürlich nicht abgemeldet hatte.

Der mitgereiste BVB-AnhangNach einer dreiviertel Stunde machten wir uns dann mit dem Großteil der anwesenden Fans auf in Richtung Stadion und begeisterten dabei die Anwohner und die begleitende Polizei mit ein paar spontanen Humbas, die auch vom ganzen Mob  mitgemacht wurden. Das Stadion in Eindhoven liegt wie viele englische Stadien auch mitten in einem Wohngebiet, so dass mit. In-Sicht-Kommen der Tribünen langsam auch die Vorfreude stieg. Nach den üblichen Kontrollen kam man ohne mit den rot-weißen Fans auch nur ansatzweise in Kontakt gekommen zu sein im Stadion an und betrat den Block.

Er lag ganz gut im Oberrang in einer der Ecken und man hätte eigentlich einen Superblick gehabt, da die Holländer aber zu unserem Schutz oder um uns zu ärgern, oder was weiß ich wieso ein blödes engmaschiges schwarzes Netz rund um den Block gespannt hatten, war es mit der Sicht doch eher Essig. Egal, ab dann begann der ganze Block, ja der ganze Block, mit einem klasse Support, der erst eine viertel Stunde nach Spielende aufhören sollte.

Das Spiel

Und unsere Boys wollten es uns wohl gleich tun und boten ein Superspiel. Nach dem die ersten Angriffsbemühungen von Eindhoven  abgewehrt waren, drückte die Mannschaft die Holländer immer weiter in deren Hälfte und Rosi war es dann der entscheidend nachsetzte und in der 20. Minute den Ball eroberte, kurz Richtung Grundlinie spurtete, den Ball auf den mitgelaufenen Koller spielte, der dann einnetzte. Jubel, Torpogo und erstes Stimmungshighlight. In der 45. Minute noch der Lattentreffer von Frings und wir waren sicher, dass Spiel kann nur der BVB gewinnen. Und wirklich, es wurde weiter gut nach vorn gespielt und in der 69. dann wieder der unvergleichliche Rosicky. Dede drischt den Ball aus der Abwehr nach vorn, Rosi nimmt ihn auf, läuft 50 Meter bis zum Tor, lässt alle Abwehrspieler dumm stehen und macht das Tor des Monats. Jawohl, Europa wir sind wieder da.

Bescheidene Sicht im GästeblockVom Jubel gerade erholt und die Plätze wieder mühsam eingenommen, müssen wir dann den Anschlusstreffer hinnehmen. 20-Meter-Glücksschuss und Lehmann ist das erste und letzte Mal an diesem Abend geschlagen. Ansonsten ist er aber immer da, wenn es gefährlich wird, neben Rosi der beste Dortmunder. (Auch wenn dieses Lob schwer fällt) Aber heute läuft alles für unsere Borussia. Amoroso wird eingewechselt, hat insgesamt drei Ballberührungen und zu aller Erleichterung in der 90. Minute den Überblick, die Technik und die Kaltschnäuzigkeit. Ballannahme und Gegner umspielen in einer Bewegung, Torwart aus gucken und einnetzen. Ist klar jetzt ist die Hölle in unserem Block los. Collina der gute Schiri pfeift auch dann schnell ab und Borussia kann schon mal langsam für die zweite Gruppenphase CL planen.

Nach Spiel der übliche Unsinn, 20 Minuten im Block eingesperrt, dann zu den Bussen, die direkt am Blockausgang stehen. Ruhige Rückfahrt und in Essen beim schottischen Spezialitäten-Restaurant „Zum goldenen M“ erst mal den Aktions-Viertelpfünder gegessen und von dort mit der S-Bahn nach Colonia Fantastica zurück. Ankunft 3.22 Uhr und noch eben mit dem Fahrrad vom HBF nach Hause, aufpassen, dass man nicht irgendwelchen Grünen in die Hände fällt, Licht funktioniert nicht und leicht alkoholisiert ist man auch.

Fazit

Eine Super-Auswärtsfahrt, drei Punkte und Borussia bleibt die beste deutsche Mannschaft in der CL dieses Jahr. Wollen wir hoffen, dass Samstag ein ähnlich guter Support in Hannover zustande kommt und wir bei nächsten Heimspiel gegen den PSV für die zweite Gruppenphase alles klar machen.

Geschrieben von Tomek